8.-14. Mai

Alt sein

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Definition

Da das kalendarische Alter, die Zahl der Lebensjahre wenig über ältere Menschen aussagt und eine Einteilung der Senioren in verschiedenen Altersgruppen den unterschiedlichen Lebenssituationen nicht gerecht wird, wurde von dem englischen Geschichtssoziologen Peter Laslett der Begriff des dritten und vierten Alters(1) geprägt.
Er löst sich völlig vom kalendarischen Alter und baut sein Konzept auf der Lebenslage und dem Generationenzyklus auf. Dem dritten Alter geht das zweite voraus als die Zeit der beruflichen Produktivität sowie der familiären Verpflichtungen für die nachfolgende Generation.

Im dritten Alter, einer historisch neuen Lebensphase, steht ein Überschuss an Ressourcen und Kompetenzen zur Verfügung, der für die Pflege von Interessen und Beziehungen eingesetzt werden kann. Der Mensch kann sich in dieser Phase entfalten und Erfüllung finden, in freiwilliger Bindung an andere oder im Dienst am Gemeinwesen. Wann dieses Alter beginnt und wann es endet, kann nur individuell beschrieben bzw. erlebt werden.

Das vierte Alter ist einer Lebenslage vorbehalten, in der der Mensch entweder einen großen Teil seiner physischen, psychischen und materiellen Ressourcen dem täglichen Selbsterhalt widmen muss oder in Abhängigkeit von pflegenden Menschen bzw. Institutionen lebt. (vgl. Laslett, P. 1995)

Das vierte Alter wird heute als das eigentliche Alter gesehen, da die „Jungen Alten“ – Menschen im dritten Alter – sich selbst nicht zur Gruppe der alten Menschen zählen.

Menschen im vierten Alter werden meist aus der caritativen, fürsorglichen Perspektive gesehen, dabei wird außer acht gelassen, dass sie Individuen und Akteure sind, die ihr eigenes Leben gestalten und die Gesellschaft mitgestalten und auch über Lern- und Veränderungskapazitäten verfügen. Ebenso wird die „Prophetische Dimension“ des vierten Alters ignoriert, denn in der Begegnung mit diesen Menschen kann man lernen, wie man mit Abhängigkeit, Endlichkeit, Grenzerfahrungen umgehen und leben kann.

 

(1)  Laslett. Peter: Das Dritte Alter. Weinheim „u.a.“ 1995