8.-14. Mai

Sich engagieren

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Viele Menschen erleben für sich Ende des zweiten im Übergang zum dritten Lebensalter eine neue Freiheit. Die eigenen Kinder sind erwachsen und wohnen nicht mehr zu Hause. Wenn nicht die Betreuung von Enkelkindern und/oder die Pflege alter Eltern ins Zentrum rückt, wird man selbst freier von familiären Verpflichtungen. So entstehen neue große Möglichkeitsräume, die zu ehrenamtlichen Engagement führen können. Während dieses freiwillige Engagement im angelsächsischen Bereich Tradition hat, ist dies in Mitteleuropa noch nicht generell verankert. Durch ein sehr frühes Renteneintrittsalter besteht zunehmend die Aufgabe, eine neue Zielperspektive für den beginnenden Lebensabschnitt zu finden. Ehrenamtliche Aufgaben werden heute im Gegensatz zu früher nicht mehr aus dem Gefühl der Verpflichtung übernommen, sondern sind in der Regel selbstgewählt und freiwillig. Bei vielen Menschen in der dritten Lebensphase ist durchaus die Bereitschaft zum Engagement vorhanden, verfügen sie doch über einen Ressourcenüberschuss (Zeit, Geld, Motivation, Kompetenz).
Sie sind für ein Engagement zu gewinnen, wenn sie

  • ihre Tätigkeit selbst gestalten können.
  • ihre Tätigkeit als sinnvoll erleben.
  • vorhandene Kompetenzen angemessen einsetzen können.
  • sich der Einsatz auch für sie selber lohnt, etwa durch befriedigende Sozialkontakte, auch über die eigene Generation hinaus. (1)


Dabei ist ein Unterschied zwischen Männern und Frauen zu beobachten. Beide engagieren sich auf dem Hintergrund der individuellen lebenslang erworbenen Kompetenzen, unterscheiden sich aber in der Ausübung ihrer ehrenamtlichen Rolle. Während Frauen sich eher fürsorgend im zwischenmenschlichen Bereich betätigen, streben Männer häufiger aktionsorientiert bestimmte Funktionen in Kirchengemeinden, Verbänden oder Vereinen an. In den nächsten Jahren wird sich möglicherweise auch hier ein Wandel vollziehen. Viele Frauen, die vermehrt oder durchgehend berufstätig waren, erreichen das Renteneintrittsalter und können für eine ehrenamtliche Aufgabe gewonnen werden. Auch sie werden dann vermehrt ihre beruflich geprägten Kompetenzen in diese Aufgabe mit einbringen.

„Am Anfang vom Ende reden“ (C. Stemmrich) (2)

Unabdingbar ist beim ehrenamtlichen Engagement sowohl eine strategisch klug geplante Einstiegsphase als auch ein bereits von Beginn an thematisierter Ausstieg aus der ehrenamtlichen Arbeit. So ist es notwendig, potentielle Freiwillige am Beginn ihrer Tätigkeit mit den Themen und Rahmenbedingungen (Versicherungsschutz, grenzachtender Umgang/Anvertrautenschutz, Fahrtkostenerstattungen uvm.) vertraut zu machen. Hilfreich sind auch Hospitationsangebote, damit interessierte Personen einen ersten Einblick in das künftige Engagementfeld bekommen. Die in den Seelsorgeeinheiten geplanten Ehrenamtskoordinatoren sollen die Aufgabe wahrnehmen, gute Ein- und Ausstiege aus dem Engagement zu begleiten. Steigen Menschen im dritten Lebensalter in ein Engagement ein, wird es ihnen vertraut und erfüllt sie mit Sinn. Dann mag es schwer fallen, diese Tätigkeit irgendwann wieder zu beenden. Nicht immer sehen Ehrenamtliche ihre eigenen Grenzen, so dass es Aufgabe der hauptberuflichen Mitarbeiter und Ehrenamtskoordinatoren ist, hier mit Klarheit und Wahrheit situationsangemessen zu handeln. Die Themen „Loslassen“ und „Umgang mit Veränderungen“ sollten Querschnittthemen ehrenamtlichen Engagements sein. Denn gelegentlich verhindern veränderungsresistente Ehrenamtliche die Gewinnung interessierter neuer Mitarbeitender, wenn diese für sich keine Mitgestaltungsmöglichkeiten entdecken können.

Eine professionelle Ehrenamtskoordination in die Seelsorgeeinheiten muss künftig die Möglichkeit eines guten Ausstiegs für beide Seiten beinhalten. Untrennbar verbunden ist damit dann auch die Entwicklung und Förderung einer Anerkennungskultur, die den persönlichen Einsatz von Ehrenamtlichen hinreichend würdigt.

 

(1) Vgl. Wittrahm, Andreas, Alter: Tatsachen und Probleme, in: Blasberg-Kuhnke, Martina/Wittrahm, Andreas, Altern in Freiheit und Würde. Handbuch christlicher Altenarbeit, München 2007, 29-51, 46.
(2) 2 Zitiert nach: Caritas in NRW, win-win für alle. Praxishandbuch Ehrenamtskoordination, Münster 2013, 37.